Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fordert eine entschiedene Forcierung der Kreislaufwirtschaft in Deutschland. Der Appell fällt auf einen strategischen Zeitpunkt: Die Bundesregierung will voraussichtlich am 3. Juni 2026 die fortgeschriebene Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) beschließen. Parallel präsentiert das EU-geförderte Programm "Bauhaus Goes North" Best Practices für zirkuläres Bauen in Nordeuropa. Die Signale verdichten sich: Kreislaufwirtschaft rückt vom Konzeptpapier in die operative Umsetzung.
Die Bundesregierung will am 3. Juni 2026 die fortgeschriebene Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) beschließen. Der Bund stellt für die Umsetzung rund 260 Millionen Euro bereit. Zentrale Instrumente: digitaler Produktpass, Rezyklateinsatzquoten und öffentliche Beschaffung als Hebel für zirkuläre Geschäftsmodelle.
NKWS: Strategischer Rahmen mit 260 Millionen Euro Rückenwind
Die NKWS wurde erstmals im Dezember 2024 vom Bundeskabinett beschlossen. Seither wurde sie weiterentwickelt. Für die Umsetzung stellt der Bund insgesamt rund 260 Millionen Euro bereit. [1] Zu den zentralen Instrumenten zählen die Einführung digitaler Produktpässe, Rezyklateinsatzquoten für Kunststoffe auf EU-Ebene, die Stärkung des Rechts auf Reparatur und die gezielte Nutzung öffentlicher Beschaffung als Hebel für zirkuläre Geschäftsmodelle. [2]
Als übergreifendes Ziel formuliert die Strategie, den Primärrohstoffverbrauch pro Kopf in Deutschland bis 2045 zu halbieren. [2] Das ist ambitioniert: Deutschland gehört zu den rohstoffintensivsten Volkswirtschaften Europas, und gerade die produzierende Industrie ist auf verlässliche Materialströme angewiesen. Die NKWS soll deshalb nicht als Beschränkung, sondern als industriepolitisches Instrument wirken - mit Digitalisierungsinitiativen und einer neuen Plattform für Kreislaufwirtschaft. [1]
DBU: Breites Förder-Portfolio als Praxisbeweis
DBU-Generalsekretär Alexander Bonde unterstrich die wirtschaftliche Dimension: "Circular Economy ist künftig unverzichtbares Asset für Ökologie und Ökonomie." [3] Die Stiftung fördert seit Jahren Dutzende Projekte, die zirkuläre Ansätze in den Mittelstand und zu Startups tragen - vom Bausektor über Textilien bis zur Gartenwirtschaft. [3]
| Bereich | Projekt/Ansatz | Zirkulärer Effekt |
|---|---|---|
| Bauwirtschaft | Holz-Lehm-Hybriddecken | Substitution von Beton, geringerer CO₂-Fußabdruck |
| Bauwirtschaft | ZirKuS – Wiederverwendung Stahlbeton | Reduktion Primärrohstoffeinsatz und Abfallmengen |
| Gartenbau | Euro Plant Tray – Mehrwegsystem | Vermeidung von bis zu 700 Mio. Einweg-Plastik-Trays/Jahr |
| Textil | Moot – Upcycling | Direkte Wiederverwendung textiler Flächen, kein Faserrecycling nötig |
| Textil | KI-gestützte Textilsortierung | Automatisierte Sortenreinheit für höherwertige Rezyklate |
Ein anschauliches Beispiel liefert die Euro Plant Tray GmbH aus Monheim. Europaweit werden jährlich bis zu 700 Millionen Kunststoff-Einwegträger für den Transport von Topfpflanzen verwendet, die nach einmaligem Gebrauch entsorgt werden - rund 75.000 Tonnen Plastikmüll pro Jahr. [3] Das Unternehmen hat ein RFID-basiertes Mehrwegsystem auf Rezyklatbasis entwickelt, das bereits in sechs Ländern im Einsatz ist. Die Trays sind auf 200 Umläufe und 20 Jahre Haltbarkeit ausgelegt. [3] Der Ansatz zeigt, wie ein geschlossener Kreislauf mit rückverfolgbarer Logistik in der Praxis funktioniert.
Im Bausektor, der für einen erheblichen Teil des deutschen Ressourcenverbrauchs verantwortlich ist, fördert die DBU unter anderem Holz-Lehm-Hybriddecken, Fundamente aus zersägten Betonplatten und die Wiederverwendung tragender Stahlbetonteile. [3] Diese Projekte adressieren ein Kernproblem: Der Bausektor ist in Deutschland für rund 55 Prozent des gesamten Abfallaufkommens verantwortlich. [4]
Wertschöpfungspotenzial: Zahlen sprechen eine klare Sprache
Laut einer vom damaligen Bundeswirtschaftsministerium veröffentlichten Studie lassen sich durch Kreislaufwirtschaft jährlich rund 80 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente einsparen. [3] Eine BCG-Studie im Auftrag des BDI beziffert das kumulative Wertschöpfungspotenzial der Kreislaufwirtschaft in Deutschland auf bis zu 880 Milliarden Euro bis 2045 - in den Branchen Mobilität, Maschinenbau, Bauwesen, Energie und Textil. [5] Der BDI prognostiziert zudem eine jährliche Steigerung der Bruttowertschöpfung um zwölf Milliarden Euro bis 2030. [3]
Für die produzierende Industrie sind das keine abstrakten Zahlen. Steigende Rohstoffpreise, Lieferkettenrisiken und regulatorischer Druck durch die EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR, Verordnung (EU) 2024/1781) machen zirkuläre Geschäftsmodelle zunehmend betriebswirtschaftlich attraktiv. Die ESPR verpflichtet Hersteller, Produkte reparierbar, recycelbar und ressourceneffizient zu gestalten - und führt den digitalen Produktpass ein, der Materialzusammensetzungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette transparent macht. [6]
Europäischer Kontext: Bauhaus Goes North zeigt nordische Lösungen
Parallel zur deutschen Debatte stellt das EU-geförderte Projekt "Bauhaus Goes North" (BGN) am 10. Juni beim New European Bauhaus Festival sechs Best Practices für zirkuläres Bauen aus Island, Irland, Norwegen und Schweden vor. [7] Das Interreg-NPA-Projekt mit einem Volumen von rund 1,6 Millionen Euro untersucht partizipative, nachhaltige und inklusive Ansätze für den Übergang zu einer ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft in dünn besiedelten Regionen. [8]
Für die deutsche Bauwirtschaft sind solche nordischen Ansätze relevant: Die Herausforderungen in peripheren Regionen - begrenzte Rohstoffverfügbarkeit, hohe Transportkosten, Fachkräftemangel - zwingen zu innovativen Lösungen, die sich auf den ländlichen Raum in Deutschland übertragen lassen.
Ausblick: Vom Strategiepapier zur industriellen Praxis
Die Gleichzeitigkeit von NKWS-Beschluss, DBU-Förderpush und europäischen Best-Practice-Formaten markiert eine Verdichtung, die über symbolische Politik hinausgeht. Mit der EU-Ökodesign-Verordnung, dem digitalen Produktpass und nationalen Förderinstrumenten entsteht ein regulatorisch-finanzieller Rahmen, der zirkuläre Geschäftsmodelle vom Nischenthema zum Wettbewerbsfaktor macht.
Für Entscheider in der Industrie ergibt sich daraus eine klare Handlungslogik: Die Zeitfenster für Fördermittel sind begrenzt, die regulatorischen Anforderungen - insbesondere durch die ESPR - sind terminiert. Wer zirkuläre Prozesse frühzeitig in Produktentwicklung und Lieferkette integriert, sichert sich nicht nur Förderzugänge, sondern auch Vorteile bei der Rohstoffversorgung. Die 260 Millionen Euro des Bundes werden nur dann Wirkung entfalten, wenn sie auf Unternehmen treffen, die bereits an der Umsetzung arbeiten.
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- Bund stellt 260 Mio € für Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie bereit
- BMUKN: Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS)
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- BCG/BDI-Studie: Kreislaufwirtschaft – 880 Milliarden Euro Wertschöpfungspotenzial
- EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) – Verordnung (EU) 2024/1781
- New European Bauhaus: Transforming the North – Best Practices in Circular Built Environments
- Launch of €1.6M BAUHAUS Goes North Project – University College Cork

