Infineon liefert Leistungshalbleiter für NVIDIAs KI-Infrastruktur
Infineon Technologies ist dem NVIDIA MGX AI Factory Ecosystem beigetreten. Der Münchner Halbleiterkonzern wird Stromversorgungslösungen für die modulare Serverplattform MGX und die zugehörige 800-Volt-Gleichstromarchitektur (800 VDC) bereitstellen. [1] Damit positioniert sich Infineon als zentraler Zulieferer für die physische Infrastruktur hinter dem KI-Boom - ein Markt, der von den meisten Beobachtern bislang hinter den prominenteren Chip- und Softwareanbietern zurücktritt.
Die Partnerschaft ist keine rein symbolische Allianz. Infineon unterstützt die vollständige 800-VDC-Leistungsumwandlungskette - von der Rack-Einspeisung über eine Zwischenbusspannung bis hinunter zur Kernspannung am Prozessor. [1] Das Ziel: weniger Umwandlungsstufen, weniger Verluste, mehr Rechenleistung pro Quadratmeter.
Warum 800 Volt Gleichstrom?
800 VDC kurz erklärt: Herkömmliche Rechenzentren arbeiten mit Wechselstrom (AC), der mehrfach umgewandelt werden muss – von der Mittelspannung über 480/415 VAC bis auf 48 V und 12 V am Server. Bei der 800-VDC-Architektur wird Gleichstrom auf 800-Volt-Ebene direkt ins Rack geführt und dort stufenweise auf 50 V, 12 V und 6 V gewandelt. Das reduziert Umwandlungsverluste, Kupferbedarf und Stellfläche.
Der Treiber hinter dem Architekturwechsel ist schlicht der Energiehunger moderner KI-Systeme. Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert, dass Rechenzentren 2026 weltweit rund 1.000 Terawattstunden Strom verbrauchen - so viel wie ganz Japan. [2] Allein 2025 stieg der Stromverbrauch von Rechenzentren um 17 Prozent, wobei KI-fokussierte Standorte noch schneller wuchsen. [3]
Bei herkömmlichen Architekturen durchläuft der Strom vom Netz bis zum Chip bis zu sechs Umwandlungsstufen. Jede Stufe verursacht Verluste von typischerweise 1 bis 3 Prozent. Die 800-VDC-Architektur eliminiert mehrere dieser Stufen, indem Gleichstrom auf hoher Spannungsebene direkt ans Serverboard geführt wird. Zudem sinkt der Kupferbedarf erheblich, da bei höherer Spannung geringere Ströme fließen - ein relevanter Kostenfaktor bei Kabelbäumen und Stromschienen. [4]
Infineons technologische Rolle
Das Portfolio, das Infineon in die Partnerschaft einbringt, basiert auf drei Halbleitermaterialien: Silizium, Siliziumkarbid (SiC) und Galliumnitrid (GaN). Infineons GaN-basierte Leistungswandler arbeiten bei Schaltfrequenzen nahe 1 MHz, was besonders kompakte Bauformen bei hoher Effizienz ermöglicht. [1] Die hauseigene SiC-JFET-Technologie kommt bei Schutz- und Hot-Swap-Funktionen zum Einsatz - kritisch für Server, die direkt am 800-VDC-Netz betrieben werden.
Adam White, Präsident der Division Power & Sensor Systems bei Infineon, betonte, das Unternehmen arbeite daran, "Stromversorgungssysteme vom Verteilnetz bis hin zum Prozessor neu zu definieren". [1]
Einordnung für die Industrie
Für die deutsche Industrie ist die Nachricht in zweifacher Hinsicht relevant. Erstens: Infineon erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von rund 14,7 Milliarden Euro und beschäftigt weltweit etwa 57.000 Mitarbeitende. [1] Eine stärkere Verankerung im KI-Infrastrukturmarkt diversifiziert die Umsatzbasis über die bisherigen Kernmärkte Automotive und Industrie hinaus.
Zweitens signalisiert der Schritt, dass die Hardware-Ebene von KI-Rechenzentren - Stromverteilung, Kühlung, physische Infrastruktur - zunehmend zum Engpass wird. Wer Server mit über 100 kW pro Rack betreiben will, braucht nicht nur leistungsfähige GPUs, sondern effiziente Leistungselektronik. Hier besitzt die deutsche Halbleiterindustrie mit ihren SiC- und GaN-Kompetenzen einen Wettbewerbsvorteil.
Ausblick
Die 800-VDC-Architektur befindet sich noch in der frühen Marktphase. NVIDIAs MGX-Plattform soll als offene Referenzarchitektur den Übergang beschleunigen - hybride Lösungen erlauben es, bestehende Infrastruktur schrittweise umzurüsten, statt komplett neu zu bauen. [1] Ob sich der Standard branchenweit durchsetzt, hängt von der Verfügbarkeit kompatibler Komponenten und der Bereitschaft der Rechenzentrumsbetreiber ab, in neue Stromverteilungskonzepte zu investieren. Infineon hat sich mit dem Beitritt zum NVIDIA-Ökosystem frühzeitig positioniert - die Frage ist nun, ob die Nachfrage Schritt hält.
Bild: Dominik Ferl / Unsplash
- Infineon tritt dem NVIDIA MGX™ Ökosystem bei und treibt die Weiterentwicklung der Stromversorgungsarchitektur für KI-Server-Racks der nächsten Generation voran
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