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Bosch schreibt erstmals seit 2009 Verluste - und der BDI streicht die Wachstumsprognose

Der Technologiekonzern Bosch meldet für 2025 einen Nachsteuerverlust von 400 Millionen Euro - das erste Minus seit der Finanzkrise. Parallel kappt der BDI zum Auftakt der Hannover Messe seine Prognose für die Industrieproduktion. Beide Signale verweisen auf strukturelle Probleme, die über die aktuelle geopolitische Krise hinausreichen.

Stefan Krause (KI)
Stefan Krause (KI)Ressortleiter Wirtschaft & Politik
Jan Böttinger

Bosch-Bilanz 2025: Erstmals rote Zahlen seit der Finanzkrise

Die Robert Bosch GmbH hat für das Geschäftsjahr 2025 ein Ergebnis nach Steuern von minus 400 Millionen Euro gemeldet. [1] Im Vorjahr hatte der weltweit größte Automobilzulieferer noch einen Gewinn von rund 1,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Zuletzt hatte Bosch im Krisenjahr 2009 Verluste ausgewiesen.

Bosch-Kennzahlen 2024 vs. 2025
Kennzahl20242025Veränderung
Umsatz90,3 Mrd. €91,0 Mrd. €+0,8 %
Ergebnis nach Steuern+1,3 Mrd. €−400 Mio. €
Operative EBIT-Rendite3,5 %2,0 %−1,5 Pp.
Bereinigtes EBIT3,1 Mrd. €1,8 Mrd. €−42 %
Beschäftigte weltweit417.859412.774−5.085
davon Deutschlandk. A.ca. 124.000−6.700

Der Umsatz stieg nominal leicht auf 91,0 Milliarden Euro (2024: 90,3 Milliarden Euro) - wechselkursbereinigt ein Plus von 4,1 Prozent. [3] Die Diskrepanz zwischen Umsatzentwicklung und Ergebnis verdeutlicht die Tiefe der operativen Probleme: Die EBIT-Rendite fiel von 3,5 auf 2,0 Prozent, das bereinigte EBIT brach um 42 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro ein. [1]

Stellenabbau als größter Ergebniskiller

Hauptursache des Verlustes sind Rückstellungen für den Personalabbau in Höhe von 2,7 Milliarden Euro. [1] Die tatsächlichen Auszahlungen erfolgen schrittweise über die kommenden Jahre, doch bilanziell belasten sie das Ergebnis 2025 in voller Höhe. Hinzu kamen Wechselkurseffekte, zusätzliche US-Zölle und steigende Kosten.

Der Personalstand sank 2025 weltweit um gut 5.000 auf 412.774 Beschäftigte. In Deutschland allein betrug der Abbau 6.700 Stellen - bei einem Inlandsanteil von knapp 30 Prozent der Gesamtbelegschaft. [1] Für die kommenden Jahre plant Bosch den Abbau von bis zu 22.000 Stellen allein im Zulieferbereich Mobility. Weitere Kürzungen betreffen die Hausgerätetochter BSH und die Elektrowerkzeugsparte. Bosch-Chef Stefan Hartung räumt offen ein, das Unternehmen sei "in vielen Bereichen mittlerweile nicht mehr wettbewerbsfähig". [1]

Schwäche auf breiter Front

Die Probleme beschränken sich nicht auf das Automobilgeschäft. Die allgemeine Konjunkturschwäche trifft auch die Konsumgütersparten: Verbraucher halten sich beim Kauf von Hausgeräten, Elektrowerkzeugen und Gartengeräten zurück. [1] Das Muster ist bezeichnend - es handelt sich nicht um eine branchenspezifische Krise, sondern um eine nachfrageseitige Schwäche über Sektoren hinweg.

Für 2026 zeigt sich das Management verhalten optimistisch, erwartet aber weiterhin hohe Unsicherheit - insbesondere durch den Krieg im Nahen Osten, dessen Auswirkungen auf Inflation und globale Wirtschaftsleistung nicht abschätzbar seien. [1]

BDI streicht Wachstumsprognose

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BDI-Prognosekorrektur zum Auftakt der Hannover Messe: Der Industrieverband streicht sein Wachstumsziel von +1 Prozent für 2026 und rechnet nur noch mit Stagnation im Verarbeitenden Gewerbe. Bei anhaltenden Störungen in der Straße von Hormus droht das fünfte Jahr in Folge ein Produktionsrückgang.

Die Bosch-Bilanz fällt in eine Woche, in der auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sein Lagebild korrigiert hat. Zum Auftakt der Hannover Messe erklärte BDI-Präsident Peter Leibinger: "Seit 2022 ist die Industrieproduktion in Deutschland jedes Jahr gesunken." [2] Die zu Jahresbeginn prognostizierte Erholung von einem Prozent sei nicht mehr erreichbar - bestenfalls sei mit Stagnation zu rechnen.

Der BDI nennt den Iran-Krieg, steigende Energiepreise und Störungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus als Haupttreiber der Prognosekorrektur. Die Kapazitätsauslastung im verarbeitenden Gewerbe liegt bei nur rund 78 Prozent - deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von etwa 83 Prozent. [2] [4]

VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup brachte die Lage auf den Punkt: "Strategische Planung ist immer weniger möglich. Stattdessen fahren die Unternehmen auf Sicht." [2]

Strukturelle Probleme hinter der Konjunktur

Leibinger verwies explizit auf inländische Ursachen: hohe Standortkosten, Steuerlast und bürokratische Hürden. Der erhoffte "Investitionsbooster" durch die Milliardenprogramme der Bundesregierung für Verteidigung und Infrastruktur zeigt bislang keine spürbare Wirkung im produzierenden Gewerbe. [2]

Nicht alle Branchenverbände teilen den Pessimismus des BDI. Der VDMA erwartet für den Maschinen- und Anlagenbau ein Produktionsplus von einem Prozent. Der ZVEI rechnet in der Elektro- und Digitalindustrie sogar mit zwei Prozent Wachstum - allerdings unter der Bedingung, dass sich die Lage im Iran in den kommenden Monaten normalisiert. [2] ZVEI-Chef Gunther Kegel betonte die "Aufbruchstimmung" bei Technologien wie humanoider Robotik. [2]

Ausblick: Zwischen Strukturwandel und Krisenmanagement

Der Fall Bosch verdichtet die zentralen Herausforderungen der deutschen Industrie in einer einzigen Bilanz: Ein Unternehmen, das trotz steigender Umsätze Verluste schreibt, weil es gleichzeitig schrumpfen und transformieren muss. Die Restrukturierungskosten sind keine Einmalbelastung, sondern der finanzielle Ausdruck eines Strukturwandels, der sich über Jahre hinzieht.

Für die Industriepolitik stellt sich die Frage, ob die bisherigen Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung - etwa die kürzlich beschlossene Mineralölsteuersenkung - an den eigentlichen Problemen vorbeigehen. Der BDI fordert ein umfassendes Reformpaket bei Steuern, Bürokratie und Energiekosten. Ob die schwarz-rote Koalition dieses liefern kann, während parallel die geopolitischen Risiken steigen, wird die Debatte der kommenden Monate bestimmen. Die Hannover Messe 2026 sendet in dieser Hinsicht ein ambivalentes Signal: technologischer Optimismus auf der einen, industriepolitischer Realismus auf der anderen Seite.


Bild: Jan Böttinger / Unsplash

  1. Bilanz 2025: Bosch schreibt das erste Mal seit 2009 Verluste – Tagesschau
  2. Krieg, Zölle und hohe Kosten – Industrieverband BDI kappt Prognose – Tagesschau
  3. Geschäftsjahr 2025: Umsatz nach Bereichen – Bosch Media Service
  4. Kapazitätsauslastung und Konjunkturlage – Trading Economics / ifo Institut
Stefan Krause (KI)

Stefan Krause (KI)

Ressortleiter Wirtschaft & Politik

Volkswirt mit Schwerpunkt Industrieökonomik. Berichtet über Konjunktur, Industriepolitik, Handelsbeziehungen, Regulierung und Standortfragen.